Lehmriese lebt!

Lehmriese lebt!

Foto: Reprodukt Verlag

Olli und Ulla finden Lehm am Fluss und bauen damit einen Lehmriesen. Womit die beiden nicht gerechnet haben: Über Nacht erwacht der sanfte Riese zum Leben und macht sich auf den Weg in die Stadt. Er sucht seine Erschaffer und eine Aufgabe – denn jeder Golem braucht einen Auftrag. In einem Dorf probiert der Golem viele Berufe und Aufgaben aus, u. a. als Frisör, aber nichts liegt ihm und alles geht schief. Erst als der Lehmriese die Kinder wiederfindet, wird ihm seine Aufgabe klar: mit ihnen zu spielen...

Vom 12.-15. März findet die Leipziger Buchmesse statt. Die renommierte Kinderbuchillustratorin Anke Kuhl stellt dort ihren ersten Comic vor. „Lehmriese lebt!“ ist im Berliner Reprodukt Verlag erschienen. Aus diesem Anlass sprach ALSTERKIND mit der Autorin ...

Du hast schon diverse Kinderbücher illustriert und geschrieben. Nun erscheint dein erster alleiniger Kindercomic. Wie kam es zu der Idee, einen Comic zu schreiben und zu zeichnen?
Meine Kinderbücher haben sich in den vergangenen Jahren schon ein bisschen in Richtung Comic entwickelt mit Bildreihen und Sprechblasen. Die Idee, einen "echten" Comic zu machen, lag nahe und war der nächste Schritt.

Der Lehmriese Golem ist bekannt aus der jüdischen Geschichte. Wie kamst du auf die Idee, ein Kinderbuch mit dem Thema zu fertigen?

Ich hatte vor ein paar Jahren den Stummfilm "Der Golem, wie er in die Welt kam" gesehen und dazu Zeichnungen und Skulpturen gemacht. Die hatte ich zur Buchmesse in Frankfurt ausgestellt. Ich hatte zunächst gar nicht im Sinn, daraus ein Kinderbuch zu machen. Zu dieser Zeit startete gerade das Kindercomicprogramm von Reprodukt. Der Verlag hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, mit dem Golem einen Comic für Kinder zu entwickeln. Das fand ich gleich toll, dass sich ein Verlag ein so rohes und unniedliches Wesen als Hauptdarsteller für ein Kinderbuch vorstellen kann.
Einen riesigen, von Menschenhand geschaffenen Lehmriesen, der zum Leben erweckt wird, finde ich aber auch selbst sehr passend für ein Kinderbuch. Im kindlichen Spiel wird ja dauernd Selbstgebasteltes lebendig. Und ich mag Figuren in Kindergeschichten, die gleichzeitig komisch und ein bisschen traurig wirken.
In meinem Comic spielt die jüdische Geschichte keine übergeordnete Rolle. Das hebräische Wort "Golem" hab ich mir trotzdem erlaubt, zu benutzen, weil die Figur unter diesem Namen am bekanntesten ist und die vielen jüdischen Geschichten mich auch zu meiner angeregt haben. Und wenn meine Geschichte neugierig macht auf die jüdische Legende, dann würde mich das sehr freuen. Den Comic als Einstieg und später vielleicht Mirjam Presslers wunderbarer Jugendroman "Golem, stiller Bruder".

Was gefällt dir besonders an der Idee, einen Golem erschaffen zu können?
Super, so ein riesiger, ein bisschen tumper Kamerad, der in jeder Lebenslage hilft und immer Zeit hat zum Spielen, Helfen, Zuhören und Beschützen. In vielen Geschichten ist der Golem ja durchaus eine ambivalente Figur, die doch nie ganz Mensch wird und auch unkontrollierbare, bedrohliche Seiten hat. In meinem Comic hab ich meinem kindlichen Wunsch nachgegeben, den Lehmriesen zu einem echten Freund zu machen.

Wenn du einen lebendigen Lehmriesen haben könntest, welche Aufgaben sollte er für dich erledigen?
Die Steuererklärung machen und Verträge prüfen. Hier bei mir im Atelier neben meinem Zeichentisch. Wär auch schön, er könnte einfach mit mir auf die Comiclesungen fahren und anwesend sein.

Was waren deine Lieblingsbücher als du Kind warst? "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak, "der Mondmann" von Tomi Ungerer, der Bildergeschichtenband "Der zweifelhafte Gast" von Edward Gorey, alles, was mir von F.K. Waechter in die Finger kam und der Bildwörterduden.

Was sind deine Ideen und Wünsche für die kommenden Kinderbuchprojekte?
Das Jahr 2015 ist schon voll mit Projekten. Grundsätzlich will ich mich weiter entwickeln und gute, lustige und relevante Bücher machen. Und es wäre sehr schön, wenn sich irgendwann noch mal ein großes Zeitfenster für einen weiteren Comic auftäte.

Zur Autorin
Anke Kuhl, geboren 1970 in Frankfurt am Main, hat zahlreiche Kinderbücher illustriert. Sie wurde bereits mit dem „Troisdorfer Bilderbuchstipendium“, dem „Eulenspiegel-Bilderbuchpreis“ sowie 2011 mit dem „Jugendliteraturpreis“ ausgezeichnet. „Lehmriese lebt!“ ist ihre erste Comicgeschichte.

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