INTERVIEW: HENNING BAUM

„Heute sind Spielplätze für kleine Doofchen gemacht!“

INTERVIEW: HENNING BAUM

Disney/Xaver Lockau

Was für ein Baum – äh Mann: Muskeln, Brummstimme, „Der letzte Bulle“ eben. In dieser Rolle lässt der charismatische Arztsohn und dreifache Vater seit 2008 den Macho raushängen. Während seines Zivildienstes absolvierte er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und war regelmäßig im Essener Bahnhofsviertel im Einsatz mit Unfällen, Toten und Verletzten. Doch dann kam die Bühne dazwischen. Nun wird er erneut als Retter tätig – zumindest leiht er seine Stimme dem Rettungshubschrauber Blade Ranger im neuen Disney-3D-Abenteuer „Planes 2 – Immer im Einsatz“. ALSTERKIND sprach mit ihm über Familie, Gefahren und Träume.

Sie leihen dem Rettungshubschrauber „Blade Ranger“ Ihre Stimme – Ihr erster Einsatz als Synchronsprecher. Wie war es für Sie?
Es war toll, diesen Charakter mit Leben zu füllen. Die Stimme liefert bei Animationsfilmen ja noch viel mehr als nur die Stimme. Das merkt man erst richtig, wenn man die Bilder ohne Ton sieht. So großartig die Figuren auch animiert sein mögen, muss beides zusammen kommen, damit die Figuren zum Leben erweckt werden.

„Blade Ranger“ muss dem unerfahrenen Löschflugzeug „Dusty“ jede Menge beibringen. Was bringt Sie so richtig zur Weißglut?
Kinder – und auch Erwachsene – bringen mich auf die Palme, wenn sie gleichgültig sind, nicht zuhören und so tun, als ob sie schon alles wissen und können. Wenn man versucht, ihnen etwas zu vermitteln und sich auf sie einlässt und sie das dann einfach so abperlen lassen.

Von der Hantelbank auf die Spielplatzbank – wie war für Sie diese Umstellung?
Da ich als Kind ein leidenschaftlicher Spielplatzgänger war, kam erst die Spielplatzbank und dann die Hantelbank. Spielplätze waren früher viel gefährlicher und größer. Heute sind sie oft für kleine "Doofchen" gemacht und stellen keine Herausforderung mehr dar. Hauptsache ist, dass die Kinder sich bloß nicht weh tun, weil die doofen Eltern, wenn sich ihre doofen Kinder dann Beulen holen, sonst die doofe Stadt verklagen. Spielplätze waren damals anspruchsvoller. Heute hält es jedoch keiner mehr für nötig, Kindern eine Umwelt zu geben, in der sie sich auch bewähren müssen. Geschicklichkeit muss gefördert werden sonst ist das nur für Dreijährige eine Herausforderung. Es sollte auch Spielplätze für größere Kinder und sogar für Jugendliche geben. Solche, auf denen es spannend wird und auf denen man sich auch mal weh tut, wenn man sich dumm anstellt - so ist das eben im Leben.

Worauf legen Sie bei der Erziehung besonderen Wert?
Meine Kinder sind groß. Ich habe viel Wert auf Selbstständigkeit, eigenständiges Denken und selbstständiges Handeln gelegt. Außerdem darauf, stets einen kühlen Kopf zu bewahren und ihre Ängste in den Griff zu kriegen. Kinder stark zu machen heißt, ihnen etwas zuzutrauen und sie nicht nur in Watte zu packen. Man muss sie auf die Welt vorbereiten und dann auch in die Welt hinausgehen lassen.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken – was war schön und was ganz schrecklich?
Schön war, dass ich ziemlich viel Freiheit hatte, man hat mir wenig reingeredet. Ich bin zwar schon am Stadtrand mit viel Natur groß geworden, aber sie hätte sehr gern noch wilder sein können. Ich wäre gerne auf die Jagd gegangen und hätte rundum Zeit in der Wildnis verbracht. Schrecklich war die Zeit des Kalten Krieges und der nuklearen Bedrohung, denn die haben wir damals als Kinder sehr stark wahrgenommen.

STECKBRIEF
Name: Henning Baum
Geboren: 20. September 1972
Wohnort: lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Essen
Filme: U.a. „Die Spiegel-Affäre“ (2013), „Niemand ist eine Insel“ (2010), „Der Seewolf“ (2008), „Mit Herz und Handschellen“ (2002-2006), „Die Luftbrücke“ (2005)

LIEBLINGS …
Kinderbuch? „Die Häschenschule“ und die gezeichneten Bücher von Wilhelm Busch wie „Max und Moritz“ und „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“.
Kinderfilm? „Aristocats“
Gericht? Hunger und Abwechslung sind einfach der beste Koch.
Held der Jugend? Han Solo.
Motto? Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.

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