Interview mit Jan Delay

„Lasst die Kinder doch mal Mist bauen!“

Interview mit Jan Delay

Foto: Paul Ripke

Seine Outfits stechen ins Auge, seine Musik macht gute Laune und seine Stimme – ob man sie mag oder nicht – ist unverwechselbar. Im aktuellen Zeichentrickfilm „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“ (Kino-Start: 20.8.) spricht der Hamburger Musiker Jan Delay erneut die Hauptfigur „Rabe Socke“. Mit ALSTERKIND sprach der 38-Jährige über den Film, seine kleine Tochter und übervorsichtige Eltern.

Was haben Jan Delay und der kleine Rabe Socke gemeinsam?
Wir sind beide sehr individuelle Persönlichkeiten, Unikate. Und wir haben beide eine große Klappe. Ich bin nicht so egoistisch, aber letztendlich ist der kleine Rabe das ja eigentlich auch nicht. Er merkt doch immer ganz schnell, dass das gar nichts bringt und wie wichtig all seine Freunde für ihn sind. Er tut dann alles dafür, dass die am Start sind. Das macht ihn sehr sympathisch, vor allem die Art und Weise wie er dann immer darauf kommt und wie er dann doch immer alles ins rechte Licht rückt.

Was ist Ihr persönliches Highlight im zweiten Kino-Abenteuer von „Der kleine Rabe Socke“?
Ich würde sagen, das sind der Vater und der Sohn aus Südamerika. Der Vater ist Profirennfahrer und will, dass sein Sohn das auch wird. Sein Sohn will aber gar kein Rennfahrer werden, sondern er will Musik machen. Dieses Gespann von Vater und Sohn, diese Charaktere, sind für mich das Highlight des Films.

Wie anstrengend ist es, einer Zeichentrickfigur seine Stimme zu geben?
Bei internationalen Trickfilmen kann es schon ein bisschen anstrengend sein. Die sind bei der Vertonung ja schon fertig und man muss versuchen, dem Protagonisten Worte innerhalb von 4 Sekunden in den Mund zu legen und dabei auch noch genau den Rhythmus treffen. Beim Raben Socke gab es zu dem Zeitpunkt nur ein paar Skizzen und ich konnte den Text völlig frei einsprechen. Erst danach wurde der Protagonist fertig gezeichnet. Die Zeichner haben sich also nach mir gerichtet, das machte es einfacher.

Der kleine Rabe Socke hat viele lustige Ideen, die manchmal auch nach hinten losgehen. Gibt es ähnliche Anekdoten aus Ihrer Kindheit?
Ich habe auf jeden Fall mindestens genauso viel Mist gebaut wie der kleine Rabe Socke. Das sind Dinge, die wir alle früher als Kind gemacht haben. Heute lassen Eltern das oft nicht mehr zu. Ich habe immer das Gefühl, dass kein 6-Jähriger mehr allein rausgehen darf. Die werden immer alle von überall abgeholt und hingebracht und ich denke mir immer „Ey Mann, lasst die doch mal selbstständig werden und lasst die doch mal Mist bauen und lasst sie doch mal hinfallen und die Knie aufschlagen!“ Ich finde diese Lust und dieser Willen auf Abenteuer darf den Kindern nicht abhanden kommen.

Sie sind Anfang 2014 selbst Vater geworden. Wie würden Sie sich als Vater beschreiben?
Ich bin auf jeden Fall ein arbeitender Vater. Deshalb ist mein Kind mehr mit der Mutter zusammen, als mit dem Vater. Aber wenn ich da bin, dann bin ich wenigstens auch die ganze Zeit da und bin ein entspannter Vater. Ich versuche das unprätentiös zu machen, bilde mir darauf nichts ein und bin jetzt nicht der Super-Dad. Aber ich liebe es, mit meinem Kind zusammen zu sein und genieße das voll.

Ihre Musik ist sehr erfolgreich! Mit welcher Art von Musik punkten Sie bei Ihrer Tochter?
Ich habe schon früh entdeckt, dass sie auf Roots Reggae steht, also auf alte Reggae Musik. Was ich auch nachvollziehen kann, weil sie in ihrem Alter noch überfordert wäre von Musik mit zu vielen Instrumenten. Manchmal muss ich lachen, wenn meine Freundin versucht, ihr etwas anderes nahe zu bringen und das bei ihr nicht die gewünschten Reaktionen hervorruft.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz an der Alster?
Egal wo. Die ganze Alster, egal ob Binnen- oder Außenalster. Aber ich bin aufgewachsen bei den weißen Stühlen am toten Baum.

Name: Jan Philipp Eißfeldt alias Jan Delay
Geburtstag: 23. Januar 1976 in Hamburg-Eppendorf
Wohnort: pendelt zwischen Hamburg und Berlin, wo seine Freundin und die gemeinsame Tochter leben
Studioalben: Searching for the Jan Soul Rebels (2001), Mercedes-Dance (2006), Wir Kinder vom Bahnhof Soul (2009), Hammer & Michel (2014) Sprechrollen: Japeth in „Die Rotkäppchenverschwörung“ (2005), Vector in „Ich – Einfach Unverbesserlich“ (2010), Willi in „Die Biene Maja“ (2014), Rabe Socke in „Der kleine Rabe Socke“ (2012) und aktuell in „Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen“ (2015)
Lieblings-Held der Jugend: Public Enemy Kinderbuch: „Billy Ballon“ und „Der Maulwurf Grabowski“
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Seit dem 14. August gibt es bei Universum KIDS „Der kleine Rabe Socke 2 - Das große Rennen" auch als Original-Hörspiel.

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