Interview: SKY DU MONT

"Kinder haben den längeren Atem“

Interview: SKY DU MONT

Das Wort „Kinder“ sollte im Synonym-Lexikon unter „Katastrophen“ geführt werden, davon ist der dreifache Vater Sky du Mont überzeugt – wenn auch mit einem Augenzwinkern. Sein gerade erschienenes siebtes Buch, „Full House“, behandelt mit viel Humor das Chaos des Familienlebens. Mit seiner Frau Mirja und den zwei gemeinsamen Kindern Tara, 11, und Fayn, 6, lebt er in Hamburg. ALSTERKIND sprach mit dem Autor und erfolgreichen Schauspieler über schwindende Spontanität, Hollywoodstars und den Hass auf Weihnachten.

In Ihrem neusten Werk „Full House“ erfährt Ihr Protagnist manchmal, dass Kinder Eltern in den Wahnsinn treiben können. Wollen Sie mit dem Buch Noch-Nicht-Väter vorbereiten oder eigene Schocks verarbeiten?
Ich kenne kaum jemanden, der zugibt, dass Kinder nerven können – aber sie tun es und wir lieben sie dennoch für immer und ewig. Diese nervigen-lustigen Aspekte eines Familienlebens wollte ich hervorheben. Weniger als 20 Prozent des Buches sind autobiografisch, den Rest habe ich aus dem Freundeskreis und dann noch überspitzt dargestellt. Es ist reine Unterhaltung und ich hoffe, andere Eltern finden sich wieder und können darüber lachen.

Die Kinder haben Ihr Leben endgültig verändert. Woran merken Sie es am deutlichsten?
Mit den Kindern kommen die schlaflosen Nächte. Doch schlimmer finde ich, dass jegliche Spontanität in die Unterhose rutscht. Als Paar mal eben Essen gehen oder von jetzt auf gleich ins Kino? Vorbei! Trotzdem möchte ich keine Sekunde mit meinen Kindern missen.

Was sind Ihre Tipps, um das Familienchaos zu bewältigen?
Tipps gibt’s keine, da muss jeder durch und einfach Ruhe bewahren. Heute Morgen hat mein Kleiner den Marker entdeckt und herausgefunden, dass er wunderbar seine Möbel damit anmalen kann. Ich versuche, es nicht so schwer zu nehmen. Was schlaftrunken nicht immer einfach ist …

Worin unterscheidet sich Ihr Leben von dem eines Hollywoodstars wie Tom Cruise, mit dem Sie „Eyes Wide Shut“ gedreht haben?
Der Hauptunterschied liegt in unseren Gagen! Auch von einem Chauffeur, Luxus-Unterbringung und jegliche Wunscherfüllung beim Dreh kann ich nur träumen. Das Familienleben wird US-Stars beim Dreh erleichtert, da deren Partner oft mit eingeflogen und verhätschelt werden.

Eltern machen Fehler. Was sind Ihre in der Kindererziehung?
Ich bin nicht konsequent genug. Mir fehlt schlicht die Kraft dazu. Die Kinder haben einfach den längeren Atem.

Ganz der Vater?! Was haben Ihre Kinder eindeutig von Ihnen geerbt?
Die Ungeduld, leider. Doch sehe ich auch einen Streif am Horizont und denke, ich konnte auch was Gutes vererben. Ich bin ziemlich organisiert und ordentlich – das erkenne ich auch an meinem Sohn.

Thema Pubertät. Sind Sie vorbereitet?
Es geht schon los bei uns. Als ich meine Tochter heute früh zur Schule fuhr, war sie so richtig Scheiße drauf, ohne für mich erkennbaren Grund. Doch es gibt auch weiterhin so viele süße Momente mit ihr, dass ich momentan nirgendwo anders sein möchte als bei meiner Familie. Gerade habe ich einen Dreh in Südafrika zu Gunsten meiner Familie abgesagt.

„Kinder und Medien“ ist unser Titelthema. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder sicher im Netz sind?
Das ist ein wichtiges Thema. Gerade habe ich einen aufrüttelnden Spielfilm und eine ernüchternde Dokumentation zu diesem Thema gesehen. Sofort habe ich mit der Schule gesprochen, ob die Filme nicht im Unterricht behandelt werden können als Warnung und zur Aufklärung. Wir leben im Zeitalter der Computer und Smartphones, Verbote bringen gar nichts. Wenn die ganze Klasse meiner Tochter im Netz chattet, ist es Quatsch, es ihr zu verbieten. Zeitbeschränkungen halte ich auch für den falschen Weg. Wir haben sicher gestellt, dass keine Fotos von unseren Kindern online sind und dass meine Tochter unter falschem Namen eingeloggt ist. Außerdem versuchen wir zu kontrollieren, wo sie im Netz unterwegs ist.

Sie wurden in Argentinien geboren, zogen nach England, gingen in der Schweiz aufs Internat und in München zur Schauspielschule. Was hat Sie nach Hamburg gezogen?
Meine Frau. Mirja ist überzeugte Norddeutsche und ihr zuliebe bin ich mit hierher gezogen. Und ich liebe es. Ich kenne keine tolerantere, schönere und tollere Stadt als Hamburg. Am schönsten ist es an der Elbe!

Bitte vollenden Sie den Satz: Ein perfekter Tag mit der Familie ist für mich …
… wenn wir alle füreinander Zeit haben.

Ihr Protagonist im Buch hasst Weihnachten. Wie steht es mit Ihnen?
Dieser Part ist autobiografisch, Weihnachten ist nicht mein Ding. Aber ich freue mich, dass meine Schwiegereltern kommen, die ganz anders sind als im Buch, das ist mir wichtig! Damit keiner an Heilig Abend viel Arbeit hat, gibt es traditionell Würstchen und Kartoffelsalat.

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