35. HanseMerkur Preise für Kinderschutz vergeben

Preisträger aus Aachen, Berlin und Hamburg aus Bienenbüttel, Hamburg, Lilienthal und München

35. HanseMerkur Preise für Kinderschutz vergeben

Fotografin: Michaela Kuhn

Verleihung der 35. HanseMerkur Preise für Kinderschutz: Eberhard Sautter (l.), Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur und Heinz Hilgers (r.), Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) mit Vertretern der Preisträger für das Jahr 2015: Champions ohne Grenzen e.V. aus Berlin, Deutscher Kinderschutzbund Aachen e.V. sowie Get the Kick e.V. und Dunkelziffer e.V. aus Hamburg.

Dr. Auma Obama übernimmt Schirmherrschaft für Verleihung der 35. HanseMerkur Preise für Kinderschutz

Am 10. Juni 2016 wurden die HanseMerkur Preise für Kinderschutz zum 35. Mal vergeben. Als Schirmherrin im „kleinen“ Jubiläumsjahr nahm Dr. Auma Obama, Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Auma Obama Foundation – Sauti Kuu, an der Festveranstaltung um 17.00 Uhr im Atrium der HanseMerkur Versicherungsgruppe teil, hat die Preise übergeben und auch ein Grußwort an die 500 geladenen Gäste gerichtet. Die Laudationes auf die Preisträger hielt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB). Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur, sagte anlässlich der Vergabe des ältesten deutschen Sozialpreises für herausragende Kinder- und Jugendschutzarbeit: „Seit 1980 stiften wir soziales Kapital über das Eintreten für die Rechte und Anliegen von Kindern und Familien. Dieses Anliegen ist sowohl zentral verankert in unserer Unternehmens- als auch in unserer Markenstrategie, deren Leitidee Hand in Hand ist…HanseMerkur die Grundidee des Versicherungsgedankens aufnimmt: solidarisch füreinander einzustehen.“ Der HanseMerkur Preis für Kinderschutz wird seit 1980 ausgeschrieben und ist mit 50.000 Euro dotiert. Bisher wurde Preisgelder von insgesamt über 1,1 Millionen Euro ausgeschüttet. Die Auszeichnungen für das Jahr 2015 gingen an vier Initiativen aus Aachen, Berlin und Hamburg. Das kulturelle Rahmenprogramm der Festveranstaltung gestalteten das Felix Mendelssohn Jugendsinfonieorchester sowie The Young ClassX Solistenensemble und Band.

DER HAUPTPREISTRÄGER 2015
Der mit 20.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an folgendes Projekt:

Flüchtlingsheime sind kein guter Ort für Kinder und ihr Recht auf Integration und Teilhabe. Die fremde Kultur, eine neue Sprache, unvertraute Werte und Normen sowie traumatische Fluchterfahrungen sind mit Ängsten verbunden. Der Verein Champions ohne Grenzen e.V. (CHoG) aus Berlin macht sich seit 2012 die integrative Kraft des Fußballs zunutze, um u.a. mit dem Projekt CHoG kids geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren über offene, kostenlose und regelmäßige Trainingsangebote auf Fußballplätzen und in Sporthallen der Hauptstadt einen Weg aus ihrer räumlichen und sozialen Isolation zu eröffnen. Über diese aktive und pädagogisch begleitete Freizeitgestaltung werden – etwa bei Freundschaftsspielen und Turnieren – Grenzen zwischen Einheimischen und Geflüchteten überwunden. Herkunft, Muttersprache, Religionszugehörigkeit und Alltagssorgen geraten auf dem Platz zur Nebensache.

Die positiven Gruppenerfahrungen stärken das Selbstbewusstsein der jungen Kicker und vermitteln soziale Werte wie Teamfähigkeit und Toleranz. Auch über Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten mit der lokalen Bevölkerung, Sozialberatung und Vernetzungsarbeit leistet Champions ohne Grenzen e.V. einen pragmatischen und hoch wirksamen Beitrag für eine nachhaltige Integration junger Flüchtlinge. Die Trainings, die neben einheimischen Pädagogen auch ehemalige jugendliche Asylbewerber und Geflüchtete durchführen, finden auf Deutsch und koedukativ statt, so dass die jungen Sportler ihre Sprachkenntnisse verbessern und zugleich an das Miteinander der Geschlechter im deutschen Schulsystem herangeführt werden.

ANERKENNUNGSPREISTRÄGER 2015
Die drei mit jeweils 10.000 Euro dotierten Anerkennungspreise gingen an folgende Projekte:

1. Nach dem Jahresbericht der Polizeilichen Kriminalstatistik gab es im Jahre 2014 deutschlandweit 12.134 erfasste Fälle von sexuellem Missbrauch. Experten jedoch gehen davon aus, dass die Dunkelziffer pädophiler Gewalt um den Faktor 10 bis 15 höher liegt. Sexuelle Gewalt bedeutet für Kinder und Jugendliche Ohnmacht, Verwirrung, Furcht, Schmerz und Isolation – nicht selten auch Schweigen aus Angst und Scham. Der Opferverein Dunkelziffer e.V. aus Hamburg setzt sich seit 1993 mit vielen Hilfsprojekten gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornographie ein. In Zusammenarbeit mit Diplom- und Schulpsychologen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Sexualwissenschaftlern, Musiktherapeuten und Diplom-Sozialpädagogen werden nicht nur Beratungen und 30 kostenfreie Therapieplätze angeboten. Dunkelziffer führt auch Präventionsprogramme in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen sowie Fortbildungen und Seminare durch. Der Verein bietet juristische Erstberatung bei Opferanwälten und schult regelmäßig Kriminalbeamte, Richter und Staatsanwälte zum Thema Kinderpornographie im Internet.

2. Auf der Elbinsel Veddel, einem traditionellen Arbeiterstadtteil, haben 70 Prozent der Bevölkerung ausländische Wurzeln, sind Menschen aus 50 Nationen beheimatet. In Hamburgs kinderreichstem Stadtteil leben 28 Prozent der Bevölkerung – und damit fast jedes zweite Kind – ganz oder teilweise von staatlicher Unterstützung. Der Verein Get the Kick e.V. bietet mit dem „Haus der Projekte – die mügge“ und in Kooperation mit zwei Stadtteilschulen sowie Wirtschaftspartnern Jugendlichen der Klassen 8, 9 und 10 seit 2012 einen regelhaften außerschulischen Lernort, damit der Übergang von der Schule in die Aus- oder Weiterbildung klappt. So erwerben je rund 20 Schüler beider Schulen im Alter von 14 bis 15 Jahren, in Begleitung ihres Klassenlehrers und angeleitet vom Fachpersonal der „Qualifikationswerft“ mügge, in den Projekten „Bauen und Lernen am Wasser“ berufsqualifizierende Fertigkeiten und lernen es, Verantwortung zu übernehmen. Ein vorbildhaftes Projekt für eine Risikogruppe von jungen Menschen, die als Hauptschüler und Migranten mit fehlender Ausbildungsreife oft aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Elternhäusern kommen.

3. Rund zwei bis drei Millionen Kinder in Deutschland wachsen in Familien auf, in denen mindestens ein Elternteil psychisch krank ist. Sie vollbringen unglaubliche Anpassungsleistungen, übernehmen viel zu früh Verantwortung, zeigen Überforderungsmuster, verdrängen unangenehme Situationen mit ihren kranken Eltern und vollführen täglich Klimmzüge, um nur nicht aufzufallen. Und sie tragen ein hohes Risiko, selbst Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln und auf lange Sicht ebenfalls psychisch zu erkranken. Der Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes Aachen macht betroffenen Familien mit „AKisiA – Auch Kinder sind Angehörige! Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern“ seit 2008 ein breites Angebot, um es den „vergessenen“ Kindern zu ermöglichen, sich ihre unbeschwerte Kindheit zurückzuerobern. Es reicht – auch in Zusammenarbeit mit Psychiatrien in Aachen – von Netzwerkarbeit über Familiengespräche zur Enttabuisierung des Themas bis zu psychoedukativen Gruppenangeboten für Kinder und Jugendliche. Rund 400 Familien konnte bei der Bewältigung ihrer Lebenssituation schon geholfen werden.

Zur Geschichte des HanseMerkur Preises für Kinderschutz

Im UNO-Jahr des Kindes 1979 gab die HanseMerkur eine Studie bei Prof. Dr. Hedwig Wallis, Direktorin der Psychosomatischen Abteilung an der Hamburger Universitäts-Kinderklinik in Auftrag, welche nachwies, dass die begleitende Mutter zur Beschleunigung des Genesungsverlaufs und zur Vorbeugung gegen seelische Schäden bei stationären Aufenthalten von Kindern entscheidend ist. Diese Erkenntnis mündete ein Jahr später in den „Mutter-und-Kind-Tarif“, mit dem die HanseMerkur als erster privater Krankenversicherer das „Rooming-in“ absicherte. Parallel dazu wurde 1980 erstmals unter dem Motto „Sorge für Kinder ist Vorsorge für die Zukunft“ der HanseMerkur Preis für Kinderschutz ausgeschrieben.

Ausgezeichnet werden einzelne Personen, private Initiativen und Gruppen in Deutschland, die sich weitgehend ehrenamtlich und höchst engagiert sowie beispielhaft für die Belange von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Dies kann im Bereich der psychosozialen, der medizinischen oder gesellschaftlichen Hilfe bzw. Vorbeugung geschehen. Eine zehnköpfige Jury aus renommierten Kinderschützern, der unter anderem Eva Luise Köhler (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen), Dr. Jürgen Heraeus (Deutsches Komitee für UNICEF), Heinz Hilgers (Deutscher Kinderschutzbund) und Prof. Dr. Sabine Walper (Deutsche Liga für das Kind) angehören, sorgt für den Know-how-Transfer und die Qualitätskontrolle bei der alljährlichen Auswahl exzellenter Initiativen im Kinder- und Jugendschutz. Seit 1980 haben sich über 3.200 Projekte beworben. Ausgezeichnet wurden bislang 145 Projekte, was der Ausschüttung eines Preisgeldes von mehr als 1,1 Millionen Euro entspricht.

Ausschreibung 2016

Parallel zur Preisverleihung läuft bereits die Ausschreibung für Bewerbungen um den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2016. Als Einsendungsschluss hat die Jury den 30. September 2016 festgelegt.

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