Gesund durch den Winter - Schutzimpfungen

Kleiner Pieks, große Wirkung

Gesund durch den Winter - Schutzimpfungen

Das Thema Impfen wird immer wieder kontrovers diskutiert – vor allem unter frisch gebackenen Eltern. Wir haben mit Sarah Demer, Hausärztin für ganzheitliche Familienmedizin, über das Impfen gesprochen.

Wie kann es zum Beispiel zu einer Erhöhung von Maserninfektionen kommen, wo es dafür doch schon lange zuverlässige Impfstoffe gibt?
Die Ursache solcher Masernausbrüche liegt in einer mangelhaften Immunisierung der Bevölkerung begründet. Das hochansteckende Virus trifft auf zu viele Menschen ohne Immunschutz, der sich nach durchgemachter Erkrankung oder Impfung einstellt. Nicht geschützt sind neben ungeimpften Zuwanderern in erster Linie impfmüde Deutsche.
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Welche Gefahr birgt das Nichtimpfen?
Nichtgeimpfte setzen sich einem vermeidbaren Risiko von Erkrankungen aus, die nicht selten schwere Verläufe nehmen und erhebliche Spätfolgen generieren können. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch den Aspekt des Gruppenschutzes. Es gibt einige Menschen die aufgrund schwerer Erkrankungen nicht gegen Masern geimpft werden können, sowie kleine Kinder, die noch keine Impfung erhalten haben. Bei einer ausreichenden Durchimpfung der Bevölkerung erfahren diese Menschen Schutz durch eine unterbundene Ausbreitung der Erkrankung. So sind auch sie als schwächste Glieder durch die Gruppe geschützt. Impfen ist somit nicht nur eine Frage des persönlichen Schutzes, sondern auch der sozialen Verantwortung.

Warum ist das Thema Impfen so umstritten?
Ein Problem ist, dass vielen Menschen die Ernsthaftigkeit der Erkrankung gegen die geimpft wird, nicht bewusst ist. Im Falle der Masern werden diese gerne als harmlose Kinderkrankheit bagatellisiert. Es wird vergessen, dass es sich um eine hochansteckende Infektionskrankheit handelt, deren Sterblichkeit bei immerhin 1:1000 Fällen liegt und die häufig Verläufe mit schweren Komplikationen hat. Während generelle Impfgegnerschaft meist auf tiefgreifenden Überzeugungen fußt, hinterfragen viele lediglich besorgt die Vor- und Nachteile einer Impfung kritisch. Fehlende und falsche Informationen führen zu Verunsicherung. An dieser Stelle können wir Ärzte beratend tätig werden, aufklären und vielfach von der Sinnhaftigkeit einer Impfung überzeugen.

Welche konkreten Bedenken äußern Patienten?
Nebenwirkungen der Impfung und Belastung durch selbige werden von Impfkritikern gerne als Gegenargument ins Feld geführt. Die Nebenwirkungen sind jedoch im Vergleich zur Ernsthaftigkeit der Erkrankungen sehr übersichtlich und milde. Um beim Beispiel der Masernimpfung zu bleiben, dabei treten etwa gelegentliche Reizungen an der Injektionsstelle auf, die bei allen Impfungen vorkommen können, in einigen Fällen grippale Symptomatik mit Kopfschmerzen und leichtem Fieber, selten „Impfmasern“ mit sehr mildem Verlauf und ohne Ansteckungsgefahr. Belastung und Nebenwirkungen stehen in keinem Verhältnis zur Erkrankung.

Was raten Sie Ihren Patienten in der Praxis?
Ich empfehle meinen Patienten regelmäßige Kontrollen des Impfstatus z.B. im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen. Wichtig ist es an dieser Stelle, auch offen mit Bedenken, Sorgen, Ängsten umzugehen, den Arzt darauf anzusprechen und sich eingehend beraten zu lassen. Nur so hat man die Chance auf eine adäquate Beratung für den individuellen Fall.

Hausarztpraxis für ganzheitliche Familienmedizin
Sarah Demer
Grafenwerthstraße 6, Köln-Sülz
0221 461640
www.hausarztpraxis-demer.de

Gewusst?

Der englische Landarzt Dr. Edward Jenner (1749 - 1823) gilt als Entdecker der Schutzimpfung. Zu seiner Zeit starben sehr viele Menschen an  den Pocken, einer hochansteckenden Infektionskrankheit. Jenner beobachtet in seiner Praxis, dass Melkerinnen häufig an den weniger gefährlichen Kuhpocken erkrankten, anschließend aber nicht mehr an den Menschenpocken. 1796 impfte er erstmals einen 8-jährigen Jungen mit dem Wundsekret einer an Kuhpocken erkrankten Frau. Etwa sechs Wochen später brachte er den Jungen über eine kleine Wunde mit dem Erreger der Menschenpocken in Kontakt. Der Junge erwies sich als immun!

Im Mai 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pocken für ausgerottet. Durch die flächendeckende Impfung hatte der Erreger keine Chance mehr, sich auszubreiten.

In der Grafik sehen sie die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen für Kinder und Jugendliche

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