Pflege von E-Bikes

Unterschiede zu normalen Fahrrädern und Tipps für mehr Fahrfreude

Pflege von E-Bikes

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Fast eine Million E-Bikes wurden im Jahr 2018 in Deutschland verkauft. Und auch Kinder und arbeitende Eltern satteln immer öfter von reiner Muskelkraft auf die leichte Motorenunterstützung um. Umso wichtiger ist es, die kostenintensive Neuanschaffung richtig zu pflegen. Dabei gibt es elementare Unterschiede zu herkömmlichen Fahrrädern, die es zu beachten gilt. Ein Überblick über Akkus, Reifen und Verschleißteile.

Vier Prozent aller im Jahr 2018 verkauften E-Bikes entfielen in die Kategorie Jugendräder, bei denen Eltern auf besondere Sicherheit achten. Das bedeutet, dass in einer Schule mit 1.000 Schülern bereits 40 E-Bikes vorhanden sind. E-Bikes haben ihren Status als Transportmittel der Wahl für Rentner längst abgelegt. Es gibt hochgezüchtete Modelle für das Mountainbiking und extrem schnelle S-Pedelecs, die nur mit Führerschein und Versicherungskennzeichen gefahren werden dürfen. Ganze Fahrradläden sattelten in den letzten Monaten und Jahren auf E-Bikes um, während herkömmliche Fahrräder langsam als größter Anteilseigner auf dem Zweirad-Markt verschwinden. Wer das Geld für ein Pedelec oder S-Pedelec in die Hand nimmt, investiert in schnelles Vorankommen, die Mobilitäts-Wende und in hochwertige Räder mit besonderen Pflegeanforderungen.

Der neuralgische Punkt des E-Bikes / Pedelecs ist dabei nicht etwa der Motor, sondern der etwas höher gelagerte Akku. Funktioniert dieser nicht mehr, kann der Motor nicht betrieben werden; und das relativ schwere Rad wird ohne Unterstützung in Bewegung gebracht. Außerdem ist der Akku mit einem Preis von mindestens 500 Euro für die 500 kWh-Variante der preisintensivste Part des E-Bikes.

Akku des E-Bikes: Richtiges Laden und Wintertauglichkeit

Bei der Pflege des Akkus ist besonders das optimale Aufladen des Energiespeichers wichtig. Moderne Akkus bestehen aus Lithium-Zellen, die im Gegensatz zu früheren Modellen keinen Memory-Effekt besitzen. Der Akku muss also nicht erst zum Ende des Entlade-Zyklus aufgeladen werden, sondern kann nach jeder Fahrt neu mit Energie befüllt werden. Eine Tiefenentladung, bei der während der Fahrt keinerlei Energie im Akku verbleibt, schadet dem Akku sogar. Aus diesem Grund ist das Laden nach jeder Fahrt empfehlenswert.

Übrigens: Ein Laden nach jeder Fahrt bedeutet nicht, dass es sich um einen kompletten Ladezyklus handelt. Der Ladezyklus umfasst immer eine Wiederaufladung eines komplett entladenen Akkus. Wer also den Akku mit 50 Prozent Restleistung lädt, hat nur einen halben Ladezyklus durchlaufen. Das ist besonders für die Berechnung der Verwendungszeit des Akkus wichtig. Moderne Akkus sollen 500-1000 Ladezyklen durchhalten, bis sie nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren. Dies entspricht einer Fahrleistung im Bereich von 30.000 - 90.000 Kilometern.

Kälte verträgt der Akku nicht sonderlich gut. Die Energiereserven schwinden schneller und der Akku erreicht nicht die gleiche Leistung wie im Sommer. Wer sein Pedelec auch im Winter fährt, sollte den Akku deshalb erst kurz vor Fahrtantritt einsetzen und direkt nach der Fahrt auch wieder zum Laden entnehmen, um einer Schädigung vorzubeugen.

Korrekte Bezeichnungen der E-Bikes:

● Fast alle E-Bikes in Deutschland sind Pedelecs

● E-Bikes fahren auf Knopfdruck auch ohne Muskelkraft

● Pedelecs benötigen immer den Einsatz des Fahrers

● Pedelec bedeutet “Pedal Electric Cycle”

● S-Pedelecs sind die schnellsten Pedelecs und fahren bis 45 Km/h+

Blick auf die Reifen: Die Rückkehr zu alten Selbermach-Tugenden

Die komplette Pflege des E-Bikes dreht sich immer um den Begriff “Verschleiß”. So auch bei den Reifen. Durch die erhöhte Geschwindigkeit und das leichte Fahren längerer Strecken sind die Reifen einer anderen Belastung ausgesetzt als bei normalen Fahrrädern. Der Verschleiß macht sich bei der Tiefe des Profils bemerkbar, das beim Fahren von Pedelecs von essentieller Bedeutung ist. Wesentlich häufiger als bei nicht-motorisierten Fahrrädern sollte deshalb der Mantel gewechselt oder der Fachhändler aufgesucht werden. Gleichzeitig ist die Gefahr eines “platten Reifens” beim Pedelec ungleich höher.

Durch die höhere Laufleistung pro Jahr (Pedelecs werden häufig als Ersatz für Autos eingesetzt) steigt die Gefahr einer Penetration des Reifens durch spitze Gegenstände. Ist dies der Fall, darf auf keinen Fall weitergefahren werden. Auch wenn noch Luft im Schlauch verbleibt, sorgt das erhöhte Gewicht dafür, dass Reifen geschädigt werden kann. Es lohnt sich aus diesem Grund, erneut zu lernen, wie ein kaputter Reifen zu reparieren ist (mit Flickset, Maulschlüssel und Schraubenzieher); oder immer ein Smartphone dabei zu haben, dass die Position des nächsten Radhändlers anzeigt. So kann die Chance eines längeren Ausfalls durch präventive Pflege gemindert werden.

Kette und Ritzel: Erhöhte Belastung im Vergleich zum normalen Rad

Auch wenn sich E-Bikes und normale Fahrräder an vielen Stellen essentiell voneinander unterscheiden, sind einige Elemente identisch. Dazu zählen häufig auch die Ketten und Ritzel. Diese sind bei E-Bikes, gerade bei der S-Pedelec-Variante, einer massiv höheren Belastung ausgesetzt. Während bei normalen Fahrrädern nur die Muskelkraft des Fahrers wirkt, potenziert der Motor je nach Variante die eingesetzte Kraft um bis zu 275 Prozent. Durch die höheren Kräfte ist besonders beim Schalten und beim Bremsen Vorsicht geboten.

Schaltvorgänge unter Volllast sollten unter allen Umständen vermieden werden. Besser ist es, die Last zu drosseln, den Schaltvorgang durchzuführen und im Anschluss wieder mit erhöhter Kraft weiterzufahren. Das mindert den Verschleiß der Zahnräder und schont die Kette. Ähnliches gilt für die Bremsen. Gerade in der sportiven Variante (S-Pedelec) wirken hohe Kräfte. Dies liegt nicht nur an der erhöhten Geschwindigkeit im Gegensatz zum normalen Rad, sondern in erster Linie an dem höheren Gewicht. Auf die Bremsen wirken wesentlich höhere Kräfte.

Rad-Experten empfehlen aus diesem Grund, das Bremsverhalten anzupassen. Gerade bei Bergabfahrten, sollte ein permanentes Bremsen verhindert werden. Stattdessen wird der Verschleiß durch stoßartiges Intervall-Verzögern vermieden und die Lebensdauer der Bremsen erhöht. Kleine Faustregel für Besitzer von hydraulischen Bremsscheiben: Verfärben sich die Bremsscheiben oder werden sogar bläulich, ist die Bremse am Ende ihres Lebenszyklus angekommen und sollte getauscht werden.

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