Interview: Hans-Werner Meyer

Interview: Hans-Werner Meyer

Cooler Blick, lässige Haltung und ein strahlendes Lächeln – Frauenschwarm und gebürtiger Hamburger Hans-Werner Meyer (46) gehört zu den begehrtesten Charakterschauspielern Deutschlands. Mit Kinofilmen wie „Charlie & Louise - Das doppelte Lottchen“, „Der Baader Meinhof Komplex“ oder „Marlene“ konnte er ebenso große Erfolge verbuchen, wie mit Theateraufführungen und seinen vielseitigen TV-Produktionen, zum Beispiel „Die Cleveren“. Schon in jungen Jahren gründete er eine Band, vor vier Jahren den Berufsverband der Film- und Fernsehschauspieler und eine Familie. Über Letzteres veröffentlichte er sein erstes Buch „Durchs wilde Kindistan - Zwischen Windeln und Wahnsinn“. ALSTERKIND sprach mit ihm über seine Erfahrungen als Vater zweier kleiner Söhne.

Vollzeitpapa … War es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ich habe vermieden, es mir irgendwie vorzustellen. Und trotzdem war es anstrengender, als erwartet. Aber eben auch in einer Weise schön, die man sich nicht ausdenken kann.

Sind Väter die besseren Mütter?
Natürlich nicht. Aber ich habe den Eindruck, dass es bei dem entsprechenden Diskurs vor allem um diese streberhafte Leistungsfrage geht. Die banale Wahrheit ist, dass Mütter es genau so lernen müssen wie Väter und derjenige es am besten kann, der die meiste Übung hat. Aber durch diese strukturkonservativen, biologistischen Spekulationen, die Männern und Frauen sozusagen naturbedingt notwendige Rollen zuschreiben wollen, wird es Männern viel zu leicht gemacht, sich aus Erziehungsangelegenheiten herauszuhalten, was zumindest sie selbst irgendwann sehr bereuen werden. Und vielleicht auch die Kinder.

Wenn wir Ihre Söhne in 30 Jahren nach ihrem Vater befragen, wie würden Sie sich wünschen, dass sie Sie beschreiben?
Als anwesend und einen, der sie ernst genommen hat.

Ihre Söhne sind jetzt zwei und vier Jahre alt. Was steht auf dem Tagesplan?
Pünktlich und spätestens um sieben ertönt der erste von vielen Befehlen aus der Monsterhöhle, wie sie selbst ihr Zimmer nennen: „Papa (oder Mama, je nachdem, wer gerade da ist): Milch!“. Die bekommt der Kleine. Dann werden sie in den Kindergarten gebracht, nachmittags abgeholt und in die Spielstraße zwischen unseren Häusern freigelassen, wo sie sich mit den Nachbarskindern um Dinosaurier, Bälle und Fahrzeuge kloppen.

In Ihrem Buch geben Sie Vätern einen Wegweiser. Warum glauben Sie, dass Sie anderen Vätern etwas vermitteln können?
Wenn jemand von einer Reise kommt, kann er darüber berichten. Darum ging es mir, nicht um Ratschläge. Für die Reise durch „Kindistan“ gibt es schon genügend gutgemeinter Ratgeber mit mehr oder weniger wertvollen Ratschlägen. Aber bei den meisten vermisse ich den Sinn für Abenteuer und Humor, ohne den diese Reise ein Horrortrip wird, der den bei Männern eingebauten Fluchtinstinkt aktiviert. Aber präsente Väter sind wichtig.

Warum brauchen Männer auch eine Gebrauchsanweisung für Kinder?
Weil Männer für alles eine Gebrauchsanweisung brauchen.

Was ist der größte Anfängerfehler, den Väter machen können? Von welchen Vorstellungen sollten sich Väter von vornherein verabschieden?
Von der Idee, dass sie ein Genie oder eine Fußball-Legende gezeugt haben. Welche Phase in Ihrem Leben würden Sie Ihren Söhnen nicht wünschen? Ach, ich würde ihnen gern die Schmerzen und Zurückweisungen ersparen, die in jeder einzelnen Phase auf sie warten. Aber dann würden sie vermutlich zu gefühllosen Monstern. Ich fürchte, jede Phase hat ihren Sinn.

Womit bringen Ihre Kinder Sie zur Weißglut? Was ist Ihr Tipp, um nicht vollständig auszurasten?
Durch die gezielten Provokationen, die mit grausamer Notwendigkeit erst mit einem Heulanfall enden. Mein Tipp: Aus dem Zimmer gehen, durchatmen und folgendes Mantra wiederholen: „Ich lass mich doch von so einem kleinen Scheißer nicht provozieren, ich lass mich doch ... .“ Ich behaupte aber nicht, dass ich diesen Tipp zu befolgen in der Lage bin.

Sie wollten mal Abenteurer werden – ist Ihnen die Rolle als Vater Abenteurer genug?
Momentan kann ich mir kein größeres Abenteuer vorstellen. Das wird sich sicher irgendwann ändern. Und dann wird mich jedenfalls nichts mehr schrecken können.

Wer war der Held Ihrer Jugend?
Udo Lindenberg.

Was war/ist Ihr Lieblingskinderbuch?
Früher „Kleiner König Kalle Wirsch“, zum Vorlesen für meine Kinder derzeit „Petterson und Findus“.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz an der Alster?
Wo kann man Sie hier treffen? Auf der Wiese vor dem „Literaturhaus“. Ich bin aber auch sehr gern im „Cliff“, sonst im „Cox“ oder im „Gnosa“ an der Langen Reihe.

Was fehlt der Alsterregion Ihrer Meinung nach, um es noch familienfreundlicher zu machen?
Generell fühle ich mich mit Kindern in den meisten Regionen Deutschlands als potenzieller Störfaktor. Wir neigen hier dazu, alles zu übertreiben. Kinder sind nicht mehr selbstverständlich. Es gibt viele militante Kinderlose und ebenso viele militante Eltern.

In welchem Film hätten Sie sich gerne in der Hauptrolle gesehen?
In einem alten Piratenfilm. Statt Erol Flynn.

Name: Hans-Werner Meyer
Geboren am: 14. April 1964
Geburtsort: Hamburg
Sternzeichen: Widder
Kinder: Callum Immanuel (4) und Duncan (2)
Berufe: Sänger, Schauspieler, Vollzeitpapa, Autor
Höhepunkte: Bayerischer Fernsehpreis 2000 für seine Rolle des ”Dominik Born” in der Krimiserie „Die Cleveren“ sowie 2000 und 2001 die Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis, Sommer 2007 Hörbuchpreis „Ohrkanus“ für „Spider“, Sein erstes Buch: „Durchs wilde Kindistan – Zwischen Windeln und Wahnsinn“.

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