Interview: Michael Schanze

„Jeden Tag ein wenig
 mehr ans Wir 
als ans Ich denken.“

Interview: Michael Schanze

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„Plopp!“ hörten wir 1977 das erste Mal - seitdem war der Finger-Backen-Schnalzer von Michael Schanze Kult. Mit seinem Kinder-Quiz „1,2 oder 3“, aber auch mit „Telefant“, „Flitterabend“ und „Kinderquatsch mit Michael“ prägte der Vater dreier Söhne als Showmaster und Moderator die 80er- und 90er-Jahre. Aktuell ist er als Komponist im Weihnachts-Musical „Eine Weihnachtsgeschichte – dem geizigen Scrooge geschieht das Weihnachtswunder“ in der „Komödie Winterhuder Fährhaus“ zu bewundern. Mit ALSTERKIND plauderte er über seine Kindheit, Lebenskrisen, Kinder und Wünsche.

Vom Fernsehen und Theater zum Kindermusical – wie kam es dazu?

Als der Regisseur Christian Berg mich ansprach, die Musik für sein neues Weihnachtsmusical zu komponieren, hielt ich es erst für einen Scherz und dachte, er hätte mich nur aus Höflichkeit gefragt. Als ich hörte, dass es um Charles Dickens geht, wurde ich hellhörig und fand die Idee toll, dafür Musik schreiben zu dürfen.

In der Geschichte um den geizigen alten Scrooge geht es um Mitgefühl und Vergebung – wo könnten Sie noch einen Anstoß gebrauchen, um besser zu werden?
Jeden Tag ein wenig mehr ans „Wir“ als ans „Ich“ denken und dabei die gegenseitige Mitverantwortung und Mitverpflichtung betonen.

Sie sind mit „1, 2 oder 3“ fest in unseren Kindheitserinnerungen verankert. Dort hieß es immer: „...du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei...“. Was war Ihre beste Entscheidung im Leben?
Die Entscheidung für unsere Kinder nach 9 Jahren Ehe.

„Plopp – das heißt Stopp!“ ging der Spruch weiter. Wann war im Hause Schanze „Stopp“? Waren Sie ein strenger Vater?
Meine Frau hätte gesagt: nicht streng aber konsequent.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken, was war früher leichter als heute für Kinder?
Früher wurden Kinder nicht so in Watte gepackt.

Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?
Mein Kinderzimmer lag damals hinter dem Eltern-Schlafzimmer. Eines Nachts weckte mein Vater mich, wir schlichen hinaus zu unserem Segelboot und segelten dem Vollmond entgegen. Das habe ich bis heute nicht vergessen und es hat aus mir einen begeisterten Segler gemacht.

Sie engagieren sich stark sozial für Kinder. Was bewegt Sie dazu?

Ich bin da reingewachsen. Mein Bruder litt an Kinderlähmung und ich habe mir geschworen, dort zu helfen, wenn es mir einmal möglich ist. Und dann war da noch meine Schülerliebe Franziska mit ihrer behinderten Schwester. Durch sie bin ich zum Förderer der „Lebenshilfe Starnberg e.V. geworden, die sich um Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderungen kümmert.

Was war die größte Herausforderung in Ihrem Leben?
In erster Linie das Scheitern meiner Ehe nach 25 gemeinsamen Jahren und die Trennung von meiner Frau. Danach kamen berufliche Misserfolge dazu und 2003 dann der gesundheitliche Niederschlag: Bei einem Skiunfall verletzte ich mich schwer, hatte lange starke Schmerzen, es folgten monatelange Behandlungen und schließlich eine Knieprothese. Das alles führte zu meiner starken Gewichtszunahme, gegen die ich nun endlich langsam wieder ankämpfen kann.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm... Was haben Ihre Söhne definitiv von Ihnen?
Mein ältester Sohn Florian lebt als Musiker in L.A. Ihn spielen zu sehen, ist einfach toll für mich. Die Zwillinge haben auch einen tollen Weg eingeschlagen: Patrick ist in der Hotellerie auf Hawaii tätig und Sebastian arbeitet als Aufnahmeleiter in Süddeutschland. Insofern sehe ich schon viele Parallelen.

Scrooge hasst Weihnachten – wie feiern Sie den Heiligen Abend?

Ganz traditionell und mit der Familie meines Bruders. Wir schlemmen, lesen Bücher und Gedichte vor und am ersten Weihnachtstag feiere ich hoffentlich mit meinen Kindern.

Steckbrief

Name: Michael Schanze
Geburtstag: 15. Januar 1947
Kinder: 3 (Florian und die Zwillinge Patrick und Sebastian)
Karriere: U.a. 1977-1985: „1, 2 oder 3“, 1985-1988: „Telefant“, 1988-1995: „Flitterabend“, 1991-2003: „Kinderquatsch mit Michael“

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