Interview: MORITZ BLEIBTREU

„Kinder hören nicht und machen – sie sehen und machen.“

Interview: MORITZ BLEIBTREU

Ehrlich, authentisch, selbstbewusst und alles andere als abgehoben – so haben wir Moritz Bleibtreu im Interview anlässlich seines neuen Films „Die vierte Macht“ kennen gelernt. Er wuchs in Hamburg auf und stand schon als Kind vor der Kamera für die Kinderserie „Neues aus Uhlenbusch“. Heute ist er einer der erfolgreichsten Schauspieler Deutschlands und Vater eines dreijährigen Sohnes. In dem Thriller "Die vierte Macht", der am 8. März in die Kinos kommt, spielt Bleibtreu die Hauptrolle. Mit ALSTERKIND sprach er über seine Rolle im Film, als Vater und seine Liebe zu Hamburg.

In Ihrem neuen Film „Die vierte Macht“ geht es um ein russisches Medienunternehmen, Intrigen und Bestechung. Wenn Sie Ihre Familie als Verlag betrachten, wer ist der Chefredakteur?
Humorvoll betrachtet: Unser Sohn! Das Schöne an unserer Familie ist, dass sie keine strengen hierarchischen Strukturen braucht. Jeder bringt sich gleich ein.

Womit erreicht Ihr Sohn, was er will?
Er weiß sehr genau, wie er sich durchsetzt. Die Frage ist eher, womit erreiche ich bei ihm, was ich will! Zum Glück ist er bestechlich …

Als Reporter im modernen Moskau wurden Sie (im Film) extremen Machtstrukturen ausgesetzt. Gibt es in Ihrer Familie schon erste Machtspielchen mit Ihrem Sohn und wie enden diese in der Regel?
Ich würde nicht von Machtspielchen sprechen – das kann ein kleines Kind noch nicht. Der Egoismus nimmt leider mit zunehmendem Alter immer mehr Einfluss auf den Charakter, aber unser Sohn ist dahingehend noch ganz unbeschwert.

Im Film befinden Sie sich in einer Lebenskriese – welche Lebensweisheiten geben Sie Ihrem Sohn mit auf den Weg?
Ich halte nicht viel davon, meinem Sohn Lebensweisheiten zu predigen. Viel wichtiger ist das Vorleben! Und das ist auch der Seiltanz der Erziehung. Es ist deutlich schwieriger etwas vorzuleben, als es in Worte zu fassen. Kinder hören nicht und machen - sie sehen und machen.

Sie wohnen in der Medienstadt Hamburg. Ein Tag Chefredakteur von BILD – was wäre Ihre Schlagzeile?
Für alles Geld der Welt: Ich möchte niemals Chefredakteur der Bild sein.

Sie spielen einen Boulevardjournalisten auf der Suche nach sich selbst. Wie ist privat ihr Verhältnis zur Regenbogenpresse?
Total ok! Boulevardjournalismus ist Teil des medialen Spiels, ist „Glamour-Faktor“, ist „Sparkle-Leben“. Ich habe wenig damit zu tun und wenn, weiß ich damit umzugehen - im Gegensatz zu unserem Bundespräsidenten: er nutzte die Medien gezielt für seinen politischen Aufstieg, jetzt darf er sich nicht wundern, wenn Sie ihm auf den Fersen sind.

Als Top-Schauspieler kommen Sie viel rum – was schätzen Sie an Hamburg?
Hamburg ist meine Heimat. Mein Leben ist von Reisen bestimmt und Hamburg ist der Ort, auf den ich mich freue, wenn ich heimkehre. Hamburg ist in ihrer „Unaufgeregtheit“ optimal für mich und meine Familie. Hamburg erwartet nicht viel von einem, lässt einen in Ruhe. Wenn ich nach einer längeren Reise meine Kumpels anrufe und sie frage: „Was gibt’s Neues?“ genieße ich die Antwort: „Gar nichts – was soll`s schon Neues geben.“ Hamburg ist beständig – Veränderungen brauchen hier ihre Zeit.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Hansestadt?
Von der Alster bis zur Elbe – es gibt sehr viele schöne Plätze.

Was wünschten Sie sich, um diese Stadt noch kinderfreundlicher zu machen? Gar nichts. Deutschland ist sehr kinderfreundlich – da gibt es wirklich andere Orte auf der Welt, an denen ein Familienleben so nur schwer möglich ist. Ich finde, dass Eltern selbst die Verantwortung übernehmen müssen und sie nicht dauernd und in allen Belangen auf den Staat übertragen sollten – schließlich kann der Staat nicht auch noch die Kinder kriegen …

Was gehört für Sie zu einer richtig tollen Kindheit?
Unbeschwertheit und viel Liebe. Kinder sollten keinen Hunger haben, nicht frieren. Darüber hinaus sollten sie stets die Möglichkeit haben, alles selbst zu entdecken und zu erfahren.

In unserer Titelgeschichte geht es diesmal um Haustiere. Welches Haustier bevorzugen Sie?
Ich bin ein Katzenmensch. Ich bin mit Katzen großgeworden und schätze diese Tiere, da sie loyal und schlau sind und trotzdem ihren eigenen Kopf haben.

Wenn wir Ihren Sohn in 20 Jahren nach Ihnen fragen – was wünschten Sie sich, was er sagt.
„Ich hab' dich lieb!“

Name: Moritz Johann Bleibtreu
Geboren am: 13. August 1971 in München
Sternzeichen: Löwe
Wohnhaft: Hamburg, Harvestehude
Kind: Sohn Daniel, 3 Jahre alt

Werdegang: Nach seinem Realschulabschluss arbeitete er anderthalb Jahre als u Pair in Paris, ging dann nach einem Jahr in Italien an eine Schauspielschule nach New York und setzte seine Karriere als 21-Jähriger am Schauspielhaus in Hamburg fort.

Kino-Erfolge: u.a. „Lola rennt“, „Knockin’ on Heaven’s Door“, „Stadtgespräch“, „Das Experiment“, „Im Juli“, „Solino“, Soul Kitchen“, „Elementarteilchen“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „Chiko“ und „Jud Süß“

Kinderfilme: „Neues aus Uhlenbusch“, „Der Fakir“ und Synchronsprecher in „Bärenbrüder“ und „Rapunzel – Neu verföhnt“

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