Interview mit Steffen Henssler

„Der größte Fehler ist die Trennung der eigenen Mahlzeiten von denen der Kinder“

Interview mit Steffen Henssler

Foto: Frank von Wieding

Er ist Weltrekordhalter im Chilihacken und Raviolifalten und hat immer einen lockeren Spruch auf Lager: Steffen Henssler, einer der beliebtesten TV-Köche, füllt mit seinen Shows Konzerthallen. Als erster Deutscher holte er sich den Titel „Professional Sushi Chef“. Seine Restaurants in Hamburg „Henssler & Henssler“ und „ONO by Steffen Henssler“ wurden mehrfach ausgezeichnet. Das neuste Projekt ist die Eröffnung seines 3. Restaurants in der Spitalterstraße. Seit 2015 gibt er sein Können in seiner Kochschule „Hensslers Küche“ weiter. Nun wurde er wieder als Autor aktiv – diesmal für die Kinder! Wir sprachen mit dem zweifachen Vater über Kinder in der Küche und die Fehler der Eltern.

Sie haben kürzlich ein Kochbuch für Kinder geschrieben – wie kam es dazu?
Die Idee entstand während meiner Kinderkochkurse. Dort habe ich den Kindern mal einen frischen Lachs präsentiert, habe diesen mit ihnen filetiert und auch roh probieren lassen. Ein paar Kinder haben sich das auch getraut und fanden es gar nicht so schlecht. Das hat mir gezeigt, dass dieses „Igitt“ oft nur im Kopf ist. Wenn die Kinder selbst mitmachen, den Fisch sehen und fühlen und ihn mit zubereiten, dann sieht die Welt schon ganz anders aus.

Welches Rezept aus dem Buch ist Ihr Highlight?
Ich finde die Geburtstagstorte toll und die Fischstäbchen. Es ist immer sehr witzig, wenn die Kinder dann sagen: „Was? Die kommen nicht aus dem Eisfach? Die kann man auch selber machen?“.

Ab wann kann man Kinder Ihrer Meinung nach an den Herd lassen?
Ich denke, ein Erwachsener sollte meistens schon dabei sein, aber mit 9 oder 10 Jahren können Kinder auch schon mal allein einen Kuchen backen oder Pasta kochen.

Was mochten Sie als Kind überhaupt nicht?
Rosenkohl und Leber – mag ich heute auch noch nicht besonders.

Was ist der größte Fehler, den Eltern bei der Ernährung der Kinder machen können? Der größte Fehler, den Eltern machen können, ist die Trennung der eigenen Mahlzeiten von denen der Kinder. Immer eine Alternative dem Kind zuzubereiten, resultiert häufig aus dem schlechten Gewissen der Eltern heraus: „Das Kind muss schließlich etwas essen und wir haben nur wenig Zeit.“ Das ist aber unnötig und kontraproduktiv.

Wie sollten Eltern denn reagieren, wenn die Kinder nichts „Grünes“ wollen?
Auf keinen Fall eine Extrawurst kochen. Man sollte auch das, was auf den Tisch kommt, nicht zu stark thematisieren. Sich beim Kochen nur nach den Kindern zu richten, halte ich für falsch. Es reduziert die Bandbreite der kulinarischen Möglichkeiten so stark, dass die Mahlzeiten eintönig und langweilig werden. Wenn da etwas „Grünes“ auf dem Teller ist, das das Kind nicht mag, soll es das einfach an den Rand legen und den Rest essen. Es ist auch nicht schlimm, wenn das Essen dem Kind mal gar nicht schmeckt und es dann gar nichts isst. Freunde von mir leben auf einem Bauernhof mit 5 Kindern – da wird gegessen, was auf den Tisch kommt und die Kinder tun das auch.

Also verwöhnen wir die Kinder zu stark?
Ja, auf jeden Fall. Früher hat ja die Omi den Kids das Kochen und Backen vermittelt, hat sich Zeit genommen, geduldig alles erklärt und die Kinder aktiv mit eingebunden. Das findet heute immer weniger statt. Die Eltern haben keine Zeit, alles muss schnell gehen. Da liegt aber genau der Knackpunkt: Kinder mit kochen zu lassen, fördert vor allem ihre Neugier und das Zutrauen. Selbst geputztes, geschnippeltes Gemüse und dann z.B. als Auflauf zubereitet schmeckt den Kindern hundertmal besser als der, der bereits fertig auf dem Tisch steht, wenn sie kommen.

Was ist für Sie denn ein „gesundes Essen“, das auch den Kindern schmeckt?
Gesundes Essen ist vor allem das, was selbst frisch zubereitet wird. Worauf achten Sie, wenn Sie für Kinder kochen? Auf Abwechslung, Raffinesse und Frische. Zur Not wird die Petersilie so klein gehackt, dass man sie als solche nicht mehr erkennen kann.

Sie sind selbst Vater – Mit welchen Werten wurden Sie groß gezogen und welche stehen bei Ihrer Erziehung ganz oben?
Wir haben uns in der Familie immer viel unterhalten, viel besprochen und wenig Geheimnisse voreinander gehabt. In der Pubertät ließ das natürlich etwas nach, aber dieses offene Miteinander, immer sagen können, was man denkt... das hat mir immer sehr gut getan.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken, was hat Sie besonders geprägt?
Ich habe schon sehr früh bei meinem Vater mit im Restaurant arbeiten und mir Geld dazu verdienen können. Als 13-Jähriger schon richtig mit zu malochen - auch am Wochenende - hat mich davon abgehalten, Scheiß zu bauen und hat mir gezeigt, dass man mit harter Arbeit auch gut Geld verdienen kann. Deshalb bin ich mir bis heute auch für Nichts zu schade, kann ordentlich anpacken – im Gegensatz zu manchen Jugendlichen heute, die nicht wissen, was sie tun sollen und sehr planlos in Bezug auf ihre Lebensziele sind.

Welche Phasen in Ihrem Leben würden Sie Ihren Kindern nicht wünschen?
Meine Töchter bedeuten mir wirklich alles, aber Hochs und Tiefs im Leben kann und will ich ihnen nicht ersparen. Das Leben ist eine wunderbare Reise und hält eine Vielzahl an Gefühlen bereit. Um das Glück im Leben zu erkennen, muss man auch negative Erfahrungen machen.

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Humor, Loyalität und Ehrgeiz.

Wofür geben Sie Geld aus?
Für gutes Essen.

Sie sind in Hamburg aufgewachsen, haben hier Ihre Restaurants – wo kann man Sie in der Hansestadt noch treffen?
Ich gehe gern an Orte, wo man sich kennt und es mir schmeckt. Außerdem liebe ich den Hafen.

Name: Steffen Henssler
Geburtstag: 27. September 1972
Wohnort: Hamburg
Kinder: 2 Töchter (9 und 10 J.)
Serien & Shows: 2006: „Hensslers Küche", 2007: „Ganz & Gar Henssler", 2008–2010: „Die Küchenschlacht", 2010–2014: „Topfgeldjäger", seit 2013: „Grill den Henssler", 2014: „Der Restauranttester", 2014: „Henssler hinter Gittern", 2016: „Henssler grenzenlos" Bücher: „Einfach Henssler", „Hauptsache lecker!", „Hensslers Küche", „Schnell, schneller Henssler!", „Grill den Henssler", „Steffen Hensslers Küchenbande"
Held der Jugend: Clint Eastwood
Lieblings-Kinderbuch: „Der Grüffelo“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“
Lebensmotto: Immer mit einem Lachen durchs Leben!

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