Interview mit Oliver Kalkofe

„Ich habe alles aufgesogen, was mich in andere Welten entführt hat.“

Interview mit Oliver Kalkofe

Foto: © Steffen Jänicke 2017

Schauspieler, Moderator, Kabarettist, Satiriker, Komiker, Parodist, Kolumnist und Buchautor – es gibt kaum etwas, das Multitalent Oliver Kalkofe nicht beherrscht. Mit seiner spitzen Zunge, seinem Mut, das auszusprechen, was alle denken und seiner Verwandlungsfähigkeit übt er Medienkritik vom Feinsten. Er lästert – erst im Radio, dann im TV –, nominiert die schlechtesten Filme aller Zeiten und erfreut sich auch als Synchron- und Hörspielsprecher größter Beliebtheit. Seine tierisch gute Lesung „Die Gäng vom Dach“ genießen Kids jetzt im kürzlich erschienen Hörbuch. Uns erzählt er von seiner Kinder- und Jugendzeit und was seinen Humor entscheidend geprägt hat.

Sie sind mittlerweile auch aus dem Hörbuch-Markt nicht mehr wegzudenken. Ist Ihre Stimme so verwandlungsfähig wie Sie selbst?
Ich habe ja damals im „Frühstyxradio“ mit Radio-Comedy begonnen, das heißt damals mussten wir alle immer wieder neue Charaktere nur mit unserer Stimme und der passenden Haltung erschaffen, das war natürlich ein gutes Training. Beim Hörbuch ist es aber vor allem die Herausforderung, für jede Szene und jede Figur die richtige Emotion zu finden.

Was lieben Sie (oder auch nicht) an Ihrer Stimme?
Im Grunde bin ich mit meiner Stimme sehr zufrieden, finde es aber sehr schade, dass ich manche Höhen nicht mehr so hinbekomme wie früher, dafür sind allerdings einige Tiefen hinzugekommen. Und ich merke, dass ich sie inzwischen mehr schonen muss.

Worüber oder über wen können Sie selbst am meisten lachen?
Monty Python, Blackadder, die frühen ZAZ-Filme und Loriot sind für mich zeitlose Klassiker, die meinen Humor geprägt haben. Dann kamen Ricky Gervais, Little Britain, Shaun of the Dead, Hot Fuzz und viele andere Filme und Serien. Grundsätzlich ist mein Humor schon eher britisch orientiert.

Ist es schwieriger, ein Hörspiel zu sprechen oder einen Film zu synchronisieren?
Auf jeden Fall die Film-Synchro, denn da muss man teilweise auf Sekundenbruchteile genau im Tempo und im Spiel bleiben und dazu die Lippenbewegungen treffen, da muss man sehr konzentriert und exakt sein. Beim Hörspiel oder –buch hat man viel mehr kreative Freiheiten und einen größeren Spielraum.

In Ihrem neuen Hörbuch „Die Gäng vom Dach“ übernehmen Tiere nachts die Stadt. Mit welchem Tier identifizieren Sie sich am meisten?
Ganz generell bin ich ein Hundetyp, bei uns zuhause spreche ich auch täglich für unseren Hund ‚Dexter’. Meine Frau und unsere Tochter begannen irgendwann mit ihm zu sprechen und ich habe geantwortet, das hat sich irgendwann verselbstständigt. Das geht so weit, dass sie ihn jetzt für regelrecht unhöflich halten, wenn ich mal nicht zuhause bin um für ihn zu antworten. Allerdings hat mir das auch sehr geholfen bei „Löwenzähnchen“, wo ich den Hund „Keks“ spreche – das war für mich quasi genauso wie zuhause.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken, was hat Sie nachhaltig am meisten geprägt?
Fernsehen, Video, Bücher und Comics – ich habe alles aufgesogen, was mich in andere Welten entführt hat. Die Helden meiner Jugend waren James Bond, Terence Hill & Bud Spencer, Louis de Funès und vor allem Emma Peel & John Steed, denn ich war ein absolut fanatischer Fan von „Mit Schirm, Charme & Melone“. Das prägte auch meine Liebe zu England und zur Welt der Edgar Wallace-Filme.

Mit welchen Büchern / Hörbüchern sind Sie groß geworden?
Ich habe fast alles von Enid Blyton gelesen, vor allem die „Fünf Freunde“, und auch die ersten 30 – 40 Bücher der „Drei Fragezeichen“, später dann natürlich auch als Hörspiele. Ich liebte vor allem Abenteuer und Krimis – wer erinnert sich z.B. noch an „Wer knackt die Nuss?“ und „Perry Clifton“ von Wolfgang Ecke? Davor waren es natürlich auch die ganzen „Disney“-Filme und Klassiker wie „Pippi Langstrumpf“, immer wieder als LP/Kassette fürs Kopfkino.

Was war Ihre größte Jugendsünde?
Mit ca. 13 habe ich mit Freunden einen eigenen Detektivclub gegründet, da wir endlich auch mal so spannende Abenteuer erleben wollten. Wir haben uns dann jede Woche getroffen, Werbeplakate gemalt und in Peine aufgehängt – die Auftragslage ließ aber leider zu wünschen übrig und so mussten wir die Agentur schnell wieder einstellen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Ich bin sehr stolz darauf, inzwischen doch so einige Formate, Serien und Charaktere erschaffen zu haben, die sehr vielen Menschen viel Freude bereitet haben und von denen sich einige überraschend lange gehalten haben – sei es die „Mattscheibe“, „SchleFaZ“, „Onkel Hotte“ oder auch „Der Wixxer“ und vieles mehr. Wenn man dann immer wieder die Reaktionen der Menschen hört und wie einige Geschichten irgendwo ihr Leben berührt und bereichert haben, dann macht mich das sehr stolz und glücklich.

Was haben Sie sich dieses Jahr noch so vorgenommen?
Mehr essen, weniger Sport und vielleicht endlich mit dem Rauchen anfangen.

Kurz gefragt: Held Ihrer Jugend?
Spider Man (der hatte irgendwie immer ähnliche Probleme wie man selbst, hat aber niemals aufgegeben!)

Lieblings-Gericht?
Pasta mit Salsiccia und Erbsen oder Spaghetti Amatriciana

Lebensmotto?
Aus großer Kraft folgt große Verantwortung!

Derzeitiger Ohrwurm?
Immer irgendwas von „Madness“ – im Moment gerade „Never knew your name”

Name: Oliver Lars Fred Kalkofe
Geboren: 11. September 1965 in Niedersachsen
Sternzeichen: Jungfrau
Kinder: Tochter Celina
Auszeichnungen: 1996 – „Adolf-Grimme-Preis“ für „Kalkofes Mattscheibe“, 1998 – „Deutscher Comedypreis“ für „Kalkofes Mattscheibe“, 2004 – „DVD Champion – Creative Award“ für „Kalkofes Mattscheibe“, 2007 – „DVD Champion – Creative Award“ für „Neues vom Wixxer“

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