Typisch Mädchen,typisch Junge

Traditionelle Rollenbilder in Bewegung

Typisch Mädchen,typisch Junge

Spätestens bei der Geburt steht in der Regel fest: Junge oder Mädchen. Weltweit werden ein paar mehr Jungen als Mädchen geboren. Die Natur gibt zwar das Geschlecht vor - aber wer entscheidet darüber, was typisch männlich und was weiblich ist?

Schon nach der Geburt bekommt der Junge ein hellblaues Namensarmband, das Mädchen eins in rosa. Auch die Namensgebung erzwingt nach deutschem Recht eine eindeutige Zuordnung zu einem Geschlecht. Und so setzt es sich die ganze Kindheit fort: In der Werbung spielen Mädchen mit Puppen, Jungs mit Autos. Beim Kindergarten-Fasching laufen Cowboys, Piraten, Prinzessinnen uns Squaws rum. Woher kommt diese Rollenverteilung? Was ist tatsächlich angeboren, was anerzogen und was gesellschaftlich bedingt?
Wir machen den Geschlechter-Check.

Bei den Kleinen nachgefragt:

Das sagen Jungs über Mädchen

Levin, 6 Jahre:
„Typisch Mädchen ist, dass die Sachen mögen, die ich nicht mag. Hello Kitty zum Beispiel oder Barbie. Meine Freunde und ich spielen viel lieber Dinos. Entweder mit Figuren oder wir sind selbst die Dinos."
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Piet, 8 Jahre:
„Die Mädchen aus meiner Klasse spielen immer Pferd und lieben rosa. Mädchen sind immer ordentlich und leise, haben lange Haare. Mädchen mögen in der Pause kein Fußball spielen.“
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Hannes, 11 Jahre:
„Manchen Mädchen ist wichtig, dass sie hübsch sind. Die brauchen viel länger für ihre Haare und Klamotten. Außerdem machen Mädchen mehr Quatsch als Jungs. Die Jungs aus meiner Klasse kämpfen dafür gerne und reden über teure Autos.“
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Das sagen Mädchen über Jungs

Frida, 7 Jahre:
„Für Jungs ist typisch, dass sie cool sein wollen und, dass sie meistens kein Rosa haben. Mädchen finden oft Prinzessinnen, Einhörner und Pferde gut. Ich bin aber mehr für Dinos!“
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Charlotte, 10 Jahre:
„Wenn Jungs sich streiten, kämpfen sie meistens direkt. Und in den Pausen spielen die meisten Jungs Fußball. Obwohl, in letzter Zeit spielen sie aber auch mit uns, zum Beispiel Räuber und Gendarm. Oder wir Mädchen spielen auch mit Fußball. Jungs sagen, typisch Mädchen sei, sich chic anzuziehen. Aber das stimmt eigentlich gar nicht."
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Sydney, 11 Jahre:
„Typisch Junge ist Fußball. Obwohl ich finde, das können auch Mädchen spielen. Typisch Mädchen ist für mich Reiten. Das machen nur sehr wenige Jungs. Für Mädchen typisch ist, dass sie zickiger sind. Jungs tragen das mehr durch Kämpfen aus."

Früher war vieles überraschend anders

Vor etwa hundert Jahren war Rosa eine Jungenfarbe. Der Grund: Rosa galt damals als „das kleine Rot" und Rot stand für Blut und Kampf - und damit für Männlichkeit. Die Mädchenfarbe war um das 19. Jahrhundert dagegen Blau, denn auf alten Bildern in der Kirche trägt die Jungfrau Maria häufig Blau.

Vor der Erfindung des Autos waren Pferde etwas sehr Männliches. Reiten galt als maskulin, wild, schnell. Kaum gab es Autos, waren Pferde nicht mehr so besonders. Autos wurden männlich, Pferde blieben was für Mädchen.

Angeboren oder anerzogen?

Wissenschaftler sind sich einig: Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind ein komplexes Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und den Einflüssen unserer Umwelt. Neben den eindeutigen körperlichen Merkmalen spielen auch Erziehung, Medien, Rollenvorstellungen, gesellschaftliche Normen und Werte, Identifikationen und Traditionen im Alltag eine unterschiedliche geschlechterbezogene Rolle.

Fakt ist jedoch, dass...

... Mädchen eine Körpergröße erreichen, die im Durchschnitt ungefähr 10-20 cm unter der von Jungen liegt.

... das Wachstum von Mädchen früher endet, etwa im Alter von 16 Jahren, während Jungen noch bis zum 19. Lebensjahr weiterwachsen können.

... Mädchen in der Regel früher in die Pubertät kommen und den für dieses Alter typischen Wachstumsschub folglich auch früher haben.

... bei 30 kg Körpergewicht ein Junge 12 kg Muskeln hat, ein Mädchen dagegen nur 9 kg.

... die Lebenserwartung der in Deutschland neugeborenen Mädchen mit 81,7 Jahren über der der neugeborenen Jungen mit 76,2 Jahren liegt. Jungen haben im frühen Kindesalter insgesamt eine schwächere gesundheitliche Konstitution als Mädchen.

... Mädchen sich während der Pubertät viel mit ihrem Aussehen und ihrer Figur beschäftigen und sich mit medial vermittelten Schönheitsidealen vergleichen. Von den 14- bis 17-jährigen Jugendlichen fühlen sich 25 % der Mädchen zu dick und 7 % zu dünn. Essstörungen treten vor allem bei Mädchen, und zwar besonders in der Pubertät, auf.

... Jungen sich mit zunehmendem Alter vermehrt der körperlichen Fitness widmen. Von den 14- bis 17-jährigen Jugendlichen fühlen sich 12 % der Jungen zu dick und 13 % zu dünn. Auffällig ist, dass Essstörungen bei jungen Männern zunehmen. Bisher sind schätzungsweise 15 % aller Betroffenen männlich.

... in der Kindheit Unfälle die größte Lebensgefahr für Kinder darstellen und dass Mädchen davon weniger betroffen sind als Jungen. Das höhere Unfallrisiko von Jungen wird u.a. mit ihrem geschlechtsspezifischen Risikoverhalten erklärt.

Das dritte Geschlecht

Bei durchschnittlich 150 Babys pro Jahr, können Ärzte nicht eindeutig sagen, ob sie männlich oder weiblich sind. Deshalb entschied das Bundesverfassungsgericht 2017, ein drittes Geschlecht ins deutsche Geburtenregister aufzunehmen. Nun steht neben „männlich" und „weiblich" auf Behördenformularen auch „divers“ zur Auswahl, um den 80.000-120.000 Intersexuellen in Deutschland zu einer juristischen Kategorie jenseits von Mann und Frau zu verhelfen. Unter intersexuell wird alles subsumiert, was von den Merkmalen des männlichen oder weiblichen Geschlechts abweicht. So gibt es Intersexuelle, denen ein zweites Chromosom fehlt, aber auch Menschen, die über ein XY-Chromosomenpaar verfügen, deren Gene also männlich sind, die aber dennoch weibliche Geschlechtsorgane ausbilden. Andere haben zwar weibliche Fortpflanzungsorgane, die Hormonproduktion entspricht aber der eines Mannes. Und wieder andere haben sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsteile. Die Zuordnung zum neuen dritten Geschlecht geschieht entlang rein biologischer Kriterien.

Traditionelle Rollenbilder halten sich hartnäckig

Allen Bemühungen zum Trotz bleiben die meisten Eltern althergebrachten Rollenbildern treu. Mädchen werden mit sanfter Stimme „Prinzessin“, „Engelchen“, „Püppchen“ genannt, Jungs in tiefem Bass „Großer“, „Tiger“, „Indianer“ gerufen. Und auch die Erziehungssprüche aus Großmutters Zeiten drängen die Kinder in klar definierte Verhaltensweisen.

An den klassischen Berufswünschen ändert sich nichts!

Auch die jährlichen „Girls & Boys-Days" ändern nicht viel: Die typischen Männer- & Frauenberufe gibt es immer noch. Maurerinnen sind selten und männliche Erzieher fehlen. Nur in wenigen Berufen spielt das Geschlecht kaum eine Rolle.

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