Kinder in der Küche

Ernährungserziehung im Fokus

Kinder in der Küche

Foto: © Andrey_Arkusha

Kleine Nachwuchsköche können uns Eltern schon Zeit und Nerven kosten. Jeder Handgriff in der Küche muss erklärt und beobachtet werden – da ist Geduld und Zeit das A&O. Doch die Teilnahme am Kochprozess hat auch einen großartigen Nebeneffekt: Die Kinder lernen schon früh, wie Lebensmittel aussehen, wie sie heißen und was man aus ihnen machen kann. Wir haben uns diesem Thema gewidmet: Wann können Kinder wo in der Küche eingebunden werden? Was wächst wann regional bei uns? Worin versteckt sich überall Zucker? Und noch viel Wissenswertes mehr...

Wer 3 ist, kann ...

... Gemüse putzen – Kinder lieben es, mit Wasser zu panschen, warum nicht gleich das Gemüse mit einbinden ...
Großartiger Nebeneffekt: Die Spüle und alles, was in der Nähe ist, wird gleich mit bewässert!

... den Tisch decken – Die Kinder können Teller, Schüsseln, Gläser selbst heraussuchen und zusammenstellen. Aufpassen mit dem Besteck: nicht laufen und immer nach unten halten!
Großartiger Nebeneffekt: Ein kreativ gedeckter Tisch!

... Gemüse schälen – Mit dem Sparschäler können schon die Kleinsten anfangen, Kartoffeln zu schälen. Wichtig dabei: eine ordentliche Einweisung und Überwachung.
*Großartiger Nebeneffekt: Schnippelhilfen sind vor allem langfristig eine echte Entlastung in der Küche und in die No-/Low-Carb-Diät passt es aufgrund der geringen Ausbeute – zumindest in den Anfängen – auch!

Wer 4 ist, kann ...

...Mixen – Die Rührstäbe in das Handmixgerät stecken (natürlich noch ohne Strom), den Standmixer füllen, den Deckel schließen und auf den Knopf drücken – das ist Action pur und besser als „Die Sendung mit der Maus".
Großartiger Nebeneffekt: Kinder lieben es laut und lernen hier: Küchenarbeit ist nicht langweilig!

Wer 5 ist, kann ...

... das Schneiden mit dem Messer üben – Begonnen werden kann mit dem Zerlegen einer Banane. Wer das gut kann, darf dann auch anderes Obst oder Gemüse perfekte Sonntagsfrühstück übernehmen. Aber Vorsicht: Die Motorik der Kinder für Mama und Papa ist noch nicht optimal ausgebildet, so dass sie beim zubereitet! Abrutschen der Klinge nicht sicher reagieren können.
Großartiger Nebeneffekt: Schnelle Erfolgserlebnisse motivieren Kinder zu noch mehr Selbständigkeit – bald können sie es allein!

Wer 8 ist, kann ...

... ran an den Herd – Anfangs mantra-artig die Gefahren immer wiederholen: An heißen Flüssigkeiten kann man sich schlimm verbrennen, spritzendes Fett tut nicht nur extrem weh, sondern hinterlässt auch fiese Spuren auf der Haut, heißes Fett und Wasser passen absolut nicht zusammen, auch ein ausgeschalteter Herd ist noch heiß... Wichtig: Ein Erwachsener muss immer dabei bleiben und überwachen.
Großartiger Nebeneffekt: Das ist ein Meilenstein in der Küchenerziehung!

Wer 10 ist, kann ...

... den Pürierstab benutzen – Ab jetzt können die Kinder die Tomatensauce zur Pasta selbst machen. Schmeckt auch am besten. Wichtig: Vorherige, gründliche Einweisung und auf Gefahren hinweisen.
Großartiger Nebeneffekt: Kein Problem mehr, wenn Mama oder Papa am Herd mal ausfallen!

Wer 11 oder 12 ist, kann ...

... mit großen und scharfen Fleischmessern hantieren – Spätestens jetzt können Kinder den Promiköchen nacheifern. Das Filet auf den Punkt, der perfekt gebratene Burger...
Großartiger Nebeneffekt: Die Welt hat einen neuen Küchenprofi, der vielleicht auch bald den Henssler grillt... zumindest aber das das perfekte Sonntagsfrühstück für Mama und Papa zubereitet!

Kochen ist mehr als Genuss

Rund 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, 800.000 davon gelten sogar als fettleibig. Zudem hat sich die Anzahl der Jugendlichen, die an Diabetes Typ 2 erkranken, in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. Neben zu wenig Bewegung ist vor allem eine ungesunde und einseitige Ernährung für Übergewicht und die Folgeerkrankungen verantwortlich. Eine alarmierende Entwicklung.

Dagegen kämpft die BARMER und hat zusammen mit der „Sarah Wiener Stiftung“ Deutschlands größte präventive Ernährungsinitiative für Kinder ins Leben gerufen. „Ich kann kochen!“ ist die erste bundesweite Initiative für praktische Ernährungsbildung für Kinder. Mit kostenfreien Fortbildungen qualifiziert sie pädagogische Fach- und Lehrkräfte dafür, in Kitas, Schulen und außerschulischen Lernorten mit Kindern zu kochen. Als sogenannte Genussbotschafter geben die Pädagogen ihr Wissen dann an die Kinder in ihren Einrichtungen weiter, vermitteln ihnen küchenpraktische Fertigkeiten und begeistern sie dafür, sich selbst frische und ausgewogene Mahlzeiten zubereiten zu können.

Sarah Wiener: "Spielerisch zum selbstbestimmten Verbraucher"

Welche Probleme sehen Sie in Deutschland bei der Ernährung von Kindern? Was sind die Folgen?
In immer weniger Familien werden frische Mahlzeiten gekocht. Kinder bekommen gar keinen Zugang mehr zu echten Lebensmitteln. Sie ernähren sich von einseitigen, stark verarbeiteten Produkten. Dadurch geht vieles verloren. Kinder verpassen den Spaß des Kochens und verlernen, wie man sich genussvoll und gesund ernährt.

Wie entstand die Idee zur Initiative „Ich kann kochen!"?
Meine Stiftung setzt sich schon seit fast zehn Jahren für eine gesunde Ernährung von Kindern ein. Wir bieten Bildungsmaterialien für Lehrer, Erzieher und andere mit Kindern arbeitenden Menschen an. Zusätzlich organisieren wir Fortbildungen, in denen wir Pädagogen ganz praktisch zeigen, wie man mit Kin.dern kocht. Die Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!" haben wir dann gemeinsam mit der Barmer ausgedehnt und können jetzt unser Programm bundesweit aufziehen. Unsere Initiative ist nun die größte in Deutschland. So erreichen wir viel mehr Menschen - und freuen uns sehr darüber!

Was möchten Sie mit Ihrem Engagement für die Initiative erreichen?
Spaß und Genuss am Kochen sollte ganz vorne dabei sein. Ich möchte Menschen zeigen, wie einfach es ist, sich mit frischen Zutaten eine schmackhafte Mahlzeit zu zaubern. Dafür muss man kein Spitzenkoch sein! Vielmehr möchte ich, dass Menschen sich wieder an die Lebensmittel herantrauen, ausprobieren und ihr Selbstwertgefühl stärken. So wird man dann auch spielerisch zum selbstbestimmten Verbraucher, da man sich besser mit Lebensmitteln auskennt und weiß, was wo drinsteckt. So kann man dann auch selbst entscheiden, was man essen will und was vielleicht nicht.

Wer kann Genussbotschafter der Initiative werden? Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
GenussbotschafterInnen von „Ich kann kochen!" können alle Menschen werden, die in ihrem Umfeld mit Kindern arbeiten, also zum Beispiel ErzieherInnen und LehrerInnen. Dabei wünschen wir uns, dass die GenussbotschafterInnen nach unserer Fortbildung Koch- und Ernährungskurse in ihren Einrichtungen organisieren. Ein ernsthaftes Interesse an Ernährungsbildung und Kochen mit Kindern sollte also gegeben sein.

Wie verändert eigenes Kochen und die Erfahrung mit Lebensmitteln die Essgewohnheiten?
Wenn man selber mit Lebensmitteln hantiert, befasst man sich ganz spielerisch mit gesunder, abwechslungsreicher und nachhaltiger Ernährung. Auch erweitert man seinen Horizont. Man erfährt auf genussvolle Art und Weise die Vielfalt an Lebensmitteln. Wer einmal in den Genuss einer selbst gekochten Mahlzeit gekommen ist, hat schnell keine Lust mehr auf stark verarbeitete Convenience-Produkte und freut sich über das Handwerk und eine der ältesten Kulturleistungen.

Prof. Dr. med. Christoph Straub - Vorstandsvorsitzender der BARMER: „Kita und Grundschule übernehmen eine wichtige Rolle in der Ernährungsbildung der Kinder.“

„Für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu werben, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Was wir heute in eine ausgewogene Ernährung unserer Kinder investieren, sparen wir morgen an Ausgaben zur Behandlung von Fettleibigkeit und Diabetes. Die Lebenswelten Kita und Grundschule übernehmen eine wichtige Rolle in der Ernährungsbildung der Kinder. Wir möchten gesunde Ernährung für Kinder erlebbar machen. Das erfordert geeignete strukturelle Rahmenbedingungen in Kitas und Grundschulen sowie die Unterstützung der Eltern. Als große Krankenkasse gehen wir hier voran. Zusammen mit der 'Sarah Wiener Stiftung' rufen wir Deutschlands größte präventive Ernährungsinitiative für Kinder in der Kita und in der Grundschule ins Leben. Sie ist Bestandteil der Präventionsstrategie der BARMER.“

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