Schlechte Noten – Mehr als nur Zahlen

Schlechte  Noten –  Mehr als  nur Zahlen

Bild: Fotolia.com - Wanja Jacob

Oh Schreck – eine Fünf! Nur ein Ausrutscher? Eltern fragen sich: „Was können wir jetzt tun?“. Doch schlechte Noten beunruhigen nicht nur Mutter und Vater. Die Kinder sind enttäuscht, verunsichert, mutlos und nicht selten blockiert und ängstlich. Für sie ist die Note mehr als nur eine Zahl – sie fühlen sich oft als ganze Person beurteilt. Deshalb ist schnelles Handeln wichtig.
ALSTERKIND sprach mit Kai Pöhlmann, Inhaber vom Nachhilfe-Institut „Abacus“, inwieweit Nachhilfe eine Lösung sein kann.

Ab welchem Schuljahr macht Nachhilfe überhaupt Sinn?
Grundsätzlich macht Nachhilfeunterricht dann Sinn, wenn sich erste Defizite zeigen und der Schüler diese nicht mehr alleine aufarbeiten kann oder seine Eltern sogar aktiv darauf anspricht. Die Noten der letzten Tests und Klassenarbeiten zeigen, ob die Themen verstanden und gefestigt wurden. Es ist wichtig, dass die Entscheidung einer externen Unterstützung möglichst frühzeitig getroffen wird, damit die Wissenslücken nicht zu groß werden. Werden die Vokabeln einer Fremdsprache nicht von Beginn an gefestigt und wiederholt, muss der Wortschatz in der Regel komplett aufgearbeitet werden. Da summieren sich nach ein, zwei Jahren schnell 500 Vokabeln und mehr – zusätzlich zum aktuellen Unterrichtsstoff.

In welchem Fach brauchen Kinder am häufigsten Unterstützung?
KAI PÖHLMANN: Aus unseren aktuellen Zahlen geht hervor, dass Mathe Nachhilfe mit rund 60 Prozent das Nachhilfe-Lieblingsfach ist. Es folgen Deutsch Nachhilfe mit 26 Prozent und Englisch Nachhilfe mit 19 Prozent. Abgeschlagen sind die Nachhilfefächer Latein, Französisch, Physik und Chemie zu jeweils etwa gleichen Anteilen von sieben Prozent.

Was genau sagt eine Schulnote von 3 über das Wissen des Kindes aus?
KAI PÖHLMANN: Eine Note „3“ bedeutet, dass der Schüler 2/3 des Wissens beherrscht, das der Fachlehrer versucht hat zu vermitteln. Kritisch wird es im Zeitablauf, da das Schulfachwissen in den Schuljahren aufeinander aufbaut. Und jedes Jahr ein Drittel nicht gewusst, bedeutet, dass das „Wissensloch“ immer größer wird.

Was ist zu tun wenn Nachhilfe zur Überforderung wird?
Nachhilfeunterricht sollte einen Schüler niemals überfordern! Meist ist der Schüler schon im Schulunterricht überfordert, da die Zusammenhänge nicht klar sind. Der Nachhilfeunterricht muss daher zielgerichtet und individuell an den Defiziten des jeweiligen Schülers angepasst sein. Lieber gehen wir zu Beginn drei Schritte zurück, setzen gemeinsam Zwischenziele, die bei Erreichung den Schüler motivieren, am Ball zu bleiben. Einige Schüler sind in ihrer Freizeit sportlich und musikalisch äußerst aktiv und schaffen sich dadurch einen wichtigen Ausgleich. Manchmal sind sie jedoch zeitlich so eingeschränkt, dass zusätzliche Nachhilfestunden schnell zu Stress führen können. Schließlich sollte auch noch Zeit zum Spielen und Freunde treffen bleiben. Oftmals helfen wir Familien bei der Wochenplanung, um die richtige Balance zwischen Fördern und Fordern zu finden. Nachhilfe verlangt nach einem Aufbauprozess und darf nicht nur „Feuerwehr“ kurz vor der letzten Klassenarbeit sein, sondern sollte eher als „Brandschutz“ agieren.

Wie lange ist Nachhilfe sinnvoll und ab wann sollten die Kinder wieder alleine zurechtkommen?
KAI PÖHLMANN: Ein Schüler, der 4 Wochen krank war und den Einstieg in die Binome nicht mitbekommen hat, braucht sicher keine 6 Monate Nachhilfe. Bei professioneller Nachhilfe gilt immer: So viel und lange wie nötig, aber so wenig wie möglich. Sonst ruhen sich auch gute Schüler auf zu viel Nachhilfe aus. Nachhilfe ist immer Schließen von Wissenslücken und Vermittlung von Lern- und Arbeitsstrukturen. 3-6 Monate sind die Schüler im Schnitt bei uns.

Gibt es einen Punkt in der Entwicklung der Kinder, an dem Nachhilfe keinen Sinn macht? Es gibt Zeiten, in denen Kinder manchmal auf „stur stellen“ oder Eltern nur schwer Zugang zu ihnen finden. Wenn eine Familie durch besonders belastende Situationen angegriffen ist oder der Schüler gerade tief in der Pubertät steckt, kann die Motivation auch schon mal Richtung Null tendieren. Eine empathische „externe Person“ hat es naturgemäß leichter, Zugang zum Schüler zu finden und ein gewisses Vertrauen aufzubauen.

Was rät man Eltern und Kindern, die keine Gymnasialempfehlung bekommen haben und trotzdem das Gymnasium ansteuern?
Eltern, die ihre Kinder entgegen der Empfehlung der Grundschule eher auf dem Gymnasium sehen, sollten genau auf die Tendenzen der 3. und 4. Klasse schauen. Stimmt das Niveau der Rechtschreibung oder wird größtenteils noch nach der Lautsprache geschrieben? Sitzen das Einmaleins und die Grundrechenarten? Kommen hier bereits erste Zweifel auf, sollten die Themen umgehend gefestigt werden. Vor allem die Rechtschreibung vermiest vielen Schülern auf dem Gymnasium einen guten Start und bremst sie nicht nur im Fach Deutsch aus. Eine nahezu fehlerfreie Rechtschreibung wird meist in allen Fächern vorausgesetzt.

Mit welchen Noten in welchen Fächern hat man gute Chancen auf ein Gymnasium zu kommen? KAI PÖHLMANN: Um entspannter auf dem Gymnasium zurecht zu kommen, sollten bei einem Grundschüler die Kernfächer Mathe, Deutsch und Englisch schon durchgehend bei einer „2“ liegen.

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